Entstehung eines Kunstwerkes
In diesem Beitrag werde ich dir näherbringen, wie ein Bild bei mir entsteht und nach welchen Schritten ich vorgehe, um das bestmögliche Ergebnis für mich und meine Kunden zu erzielen.
Die Vorbereitungen
Die umfassenden Vorbereitungen für eine Ölmalerei sind für viele Außenstehende im Endergebnis nicht direkt sichtbar, aber die absolute Grundlage für ein zufriedenstellendes Ergebnis. In diese Vorbereitungen möchte ich Dir hier als erstes einen kleinen Einblick verschaffen.
In aller Regel grundiere ich die gesamte Leinwand mit verdünnter Acrylfarbe, die ich nach der farblichen Stimmung auswähle, die das Bild hinterher haben soll. Im Beispiel wirken die Ölfarben so später sonniger, wenn an einigen stellen die Grundierung durchscheinen sollte. Hierzu nutze ich einen breiten Pinsel, der möglichst viel Fläche abdeckt.
In den meisten Fällen male ich von Fotos ab, die meine Kunden von Reisen oder ähnlichem bereitstellen. Die Datei schneide ich so zu, dass die Seitenverhältnisse genau denen des Malgrundes entsprechen. Das Foto drucke ich dann aus, um mit dessen Hilfe die richtigen Proportionen auf die Leinwand zu übertragen.
Genauer teile ich dazu zuerst die grundierte Leinwand in 10 x 10 cm große Quadrate ein (die meisten etwas größeren Formate sind in 10er Schritten in Höhe und Breite zu haben). Das Bild im Beispiel ist 100 x 70 cm und wurde also in 70 Quadrate eingeteilt. Das gedruckte Foto teile ich mit Bleistift und Lineal in die gleiche Anzahl Quadrate ein, indem ich die 10 cm Schritte auf der Leinwand auf den kleinen Ausdruck umrechne.
Dann male ich mit Hilfe der erstellten Raster die groben Proportionen und Formen des Motivs auf die Leinwand, wobei ich mich an den Schnittstellen der Linien orientiere. Für das Raster und die Formen nutze ich entweder einen sehr schwachen Bleistift oder Kreide, was etwas von der geplanten Dicke des Farbauftrags abhängt.
Der Malprozess
Erst jetzt beginnt der spannende Teil des Prozesses, wo Pinsel, Malmittel und Farben ins Spiel kommen. Der erste Pinselstrich geschieht bei jedem Werk von neuem mit Anspannung und markiert für mich den offiziellen Startschuss, ab dem es gilt.
Was die Pinsel betrifft arbeite ich meistens mit Flachpinsel, je nach gewünschtem Effekt aber auch mit sogenannten Katzenzungenpinseln (flach und abgerundet) oder Borstenpinseln (an die sich jeder aus dem Kunstunterricht noch zu gut erinnern sollte). Die Größe der benutzen Pinsel hängt dabei von der Größe des Bildes, der zu bemalenden Fläche und/oder dem Detailgrad ab. Dabei ist es keineswegs so, dass neue Pinsel immer das beste Ergebnis erzielen. Oft sind Pinsel, die schon einige Zeit in Gebrauch sind besser handzuhaben. In manchen Fällen kommen auch Spachtel in verschiedenen Größen und Formen zum Einsatz.
Da Ölfarben nicht wasserlöslich sind, braucht man in aller Regel ein Malmittel, um vorzeigbare Resultate zu erzielen. Diese Malmittel können die Farbe verdünnen, aber auch weiter anreichern. Hier ist den Möglichkeiten fast keine Grenze gesetzt. Ich fokussiere mich fast ausschließlich auf Terpentinersatz, der zur Verdünnung genutzt werden kann. In der Ölmalerei muss besonders bei mehreren Schichten darauf geachtet werden, dass die untere Schicht immer weniger Farbpigmentanteil als die darüberliegende besitzt, weshalb ich am Anfang so gut wie immer mit recht viel verdünnendem Malmittel arbeite, was sich mit der Zeit reduziert. Auch für das Waschen der Pinsel oder wenn man einfach nur die Farbe wechseln möchte, ohne die Farben gegenseitig zu verunreinigen, wird das Malmittel benötigt.
Auch die Anordnung der Farben auf der Palette will bei jeder Mal-Session wohlüberlegt sein, um besonders Farbmischungen effizient nutzen zu können, ohne dass die Farben sich in die Quere kommen bzw. damit sie beim nächsten Mal wieder angemessen genutzt werden können. Da Ölfarben nur sehr langsam trocknen, lassen sie sich auch über längere Zeiträume noch nutzen und müssen maximal mit etwas Malmittel wieder angelöst werden.
Wie bereits angedeutet, folgen am Schluss die dicksten, auch pastos genannten Schichten, wie sich hier schön an den Wolken erkennen lässt. Diese Schichten weisen in der Regel eine gewisse Plastizität auf und machen den besonderen Reiz von Ölgemälden aus. Fährt man mit dem Finger darüber, spürt man so die Strukturen, die entstanden sind.
Das Ergebnis
Je nach Dicke der Farbschichten, sollte das Bild ca. einen Monat 'trocknen', sodass es übergabebereit ist. Bis ein Bild wirklich auch in den tieferen Schichten trocken ist, kann es je nach Umständen aber auch über ein Jahr dauern. Da die äußere 'Haut' aber recht schnell trocknet, gibt es hier keinen Grund zur Sorge.
Das fertige Werk seinem stolzen Besitzer wenn möglich persönlich zu übergeben ist für beide Seiten jedes Mal etwas besonderes und schafft einen würdigen Abschluss für einen Prozess, der für beide Seiten recht aufregend sein kann. Die aufrichtige Freude, die mir bisher jedes Mal entgegengebracht wurde, ist für mich zusätzlicher Lohn und Ansporn, in allen Aspekten wenn möglich noch besser zu werden.
Nach ca. einem Jahr, wenn die Trocknung vollständig abgeschlossen ist, wird das Bild noch einmal mit einer Abschlussschicht versehen, die vor kleineren Schäden, Sonnenlicht und Staub schützt. Auch bekommen die Farben so nochmal mehr Glanz. Hier schauen wir jeweils individuell, wie wir dies am besten bewerkstelligen, aber es lohnt sich allemal, damit das neue Kunstwerk etwas ist, das ein Leben lang Bestand hat. Ein so individueller Blickfang wertet jeden Raum auf, nicht nur optisch, sondern auch emotional, da hier persönliche Erinnerungen festgehalten sind. Wie im Beispiel hat man so immer den Sonnenuntergang auf den Gipfeln der hawaiianischen Küstenlinie der Insel Kaua'i im Blick, was auch bei Besuchern für viel positiven Gesprächsstoff sorgt.